So vieles in der Welt ist Politik!
So ist auch mein Gedicht!

Zeitlose kritische Gedichte




1917
Dulce et Decorum Est
Bent double, like old beggars under sacks,
Knock-kneed, coughing like hags, we cursed through sludge,
Till on the haunting flares we turned our backs,
And towards our distant rest began to trudge.
Men marched asleep. Many had lost their boots,
But limped on, blood-shod. All went lame; all blind;
Drunk with fatigue; deaf even to the hoots
Of gas-shells dropping softly behind.
Gas! GAS! Quick, boys!—An ecstasy of fumbling
Fitting the clumsy helmets just in time,
But someone still was yelling out and stumbling
And flound’ring like a man in fire or lime.—
Dim through the misty panes and thick green light,
As under a green sea, I saw him drowning.
In all my dreams before my helpless sight,
He plunges at me, guttering, choking, drowning.
If in some smothering dreams, you too could pace
Behind the wagon that we flung him in,
And watch the white eyes writhing in his face,
His hanging face, like a devil’s sick of sin;
If you could hear, at every jolt, the blood
Come gargling from the froth-corrupted lungs,
Obscene as cancer, bitter as the cud
Of vile, incurable sores on innocent tongues,—
My friend, you would not tell with such high zest
To children ardent for some desperate glory,
The old Lie: Dulce et decorum est
Pro patria mori.
Wilfred Owen
Quelle: poetryfoundation
Anmerkung: Wilfred Owen beschreibt die grausame Realität des Krieges schonungslos, insbesondere den Ersten Weltkrieg, aus der Perspektive eines erschöpften Soldaten. Es beginnt mit Bildern von körperlich und seelisch gebrochenen Männern, die durch Schlamm marschieren, bis sie plötzlich einem Gasangriff ausgesetzt sind. Dabei schafft ein Soldat es nicht, rechtzeitig seine Gasmaske aufzusetzen – der Erzähler sieht ihn qualvoll sterben. Diese Szene verfolgt ihn in seinen Träumen.
Am Ende richtet sich Owen direkt an diejenigen, die Krieg als ehrenvoll darstellen, und nennt die berühmte lateinische Phrase „Dulce et decorum est pro patria mori“ – „Es ist süß und ehrenvoll, fürs Vaterland zu sterben“ – eine „alte Lüge“, wie er sie nennt.


Octobre 1870
Le Dormeur du Val
C’est un trou de verdure où chante une rivière
Accrochant follement aux herbes des haillons
D’argent ; où le soleil, de la montagne fière,
Luit : c’est un petit aval qui mousse de rayons.
Un soldat jeune, bouche ouverte, tête nue,
Et la nuque baignant dans le frais cresson bleu,
Dort ; il est étendu dans l’herbe, sous la nue,
Pâle dans son lit vert où la lumière pleut.
Les pieds dans les glaïeuls, il dort. Souriant comme
Sourirait un enfant malade, il fait un somme :
Nature, berce-le chaudement : il a froid.
Les parfums ne font pas frissonner sa narine ;
Il dort dans le soleil, la main sur sa poitrine
Tranquille. Il a deux trous rouges au côté droit.
Arthur Rimbaud
Oktober 1870
Quelle: fr.wikisource
Anmerkung: Arthur Rimbaud beginnt mit der Beschreibung einer ruhigen, idyllischen Landschaft – einem grünen Tal, Sonnenlicht, einem jungen Mann, der im Gras schläft. Man könnte sich vorstellen, er genießt die malerische Landschaft, aber der letzte Vers enthüllt die brutale Wahrheit: Er ist tot, mit zwei roten Löchern auf seiner rechten Seite – Schusswunden.
Rimbaud nutzt die Lieblichkeit der Natur als Kontrast zum Schrecken des Krieges (Deutsch-Französischer Krieg?) und erzeugt so eine empörende Wirkung. Der Soldat scheint Frieden zu finden, aber er wurde bereits von der Gewalt verschlungen.


Oktober 1870
Der Schlafende im Tal
Es ist eine kleine grüne Stelle, wo ein Fluss singt,
der sich verspielt und silbern an die Gräser klammert;
wo die Sonne vom stolzen Berg herab glitzert:
ein kleiner Bach, der vor Strahlen schäumt.
Ein junger Soldat, mit offenem Mund und nacktem Kopf,
sein Nacken in frische bunte Blumen gebadet,
schläft; er liegt ausgestreckt im Gras, unter den Wolken,
bleich in seinem grünen Bett, wo das Licht herabregnet.
Mit den Füßen in den Gladiolen schläft er. Lächelnd,
wie ein krankes Kind lächeln würde, schlummert er:
Natur, wiege ihn warm: Ihm ist kalt.
Die Düfte lassen seine Nasenflügel nicht zittern;
Er schläft in der Sonne, die Hand auf der Brust,
still. In der rechten Schläfe hat er zwei rote Löcher.
Arthur Rimbaud
Oktober 1870
Quelle: fr.wikisource
Übersetzung DUFS
Anmerkung: Arthur Rimbaud beginnt mit der Beschreibung einer ruhigen, idyllischen Landschaft – einem grünen Tal, Sonnenlicht, einem jungen Mann, der im Gras schläft. Man könnte sich vorstellen, er genießt die malerische Landschaft, aber der letzte Vers enthüllt die brutale Wahrheit: Er ist tot, mit zwei roten Löchern auf seiner rechten Schläfe – Schusswunden.
Rimbaud nutzt die Lieblichkeit der Natur als Kontrast zum Schrecken des Krieges (Deutsch-Französischer Krieg?) und erzeugt so eine empörende Wirkung. Der Soldat scheint Frieden zu finden, aber er wurde bereits von der Gewalt verschlungen.


Pernambuco, agosto der 1865
O Século
O séc'lo é grande... No espaço
Há um drama de treva e luz.
Como o Cristo — a liberdade
Sangra no poste da cruz.
Um corvo escuro, anegrado,
Obumbra o manto azulado,
Das asas d'águia dos céus...
Arquejam peitos e frontes...
Nos lábios dos horizontes
Há um riso de luz... É Deus.
Às vezes quebra o silêncio
Ronco estrídulo, feroz.
Será o rugir das matas,
Ou da plebe a imensa voz?...
Treme a terra hirta e sombria...
São as vascas da agonia
Da liberdade no chão?...
Ou do povo o braço ousado
Que, sob montes calcado,
Abala-os como um Titão?!...
Ante esse escuro problema
Há muito irônico rir.
P'ra nós o vento da esp'rança
Traz o pólen do porvir.
E enquanto o cepticismo
Mergulha os olhos no abismo,
Que a seus pés raivando tem,
Rasga o moço os nevoeiros,
P'ra dos morros altaneiros
Ver o sol que irrompe além.
(...)
Luz!... sim; que a criança é uma ave,
Cujo porvir tendes vós;
No sol — é uma águia arrojada,
Na sombra — um mocho feroz.
Libertai tribunas, prelos...
São fracos, mesquinhos elos...
Não calqueis o povo-rei!
Que este mar d'almas e peitos,
Com as vagas de seus direitos,
Virá partir-vos a lei.
Quebre-se o cetro do Papa.
Faça-se dele — uma cruz!
A púrpura sirva ao povo
P'ra cobrir os ombros nus.
Que aos gritos do Niagara
— Sem escravos, — Guanabara
Se eleve ao fulgor dos sóis!
Banhem-se em luz os prostíbulos,
E das lascas dos patíbulos
Erga-se a estátua aos heróis!
Basta!... Eu sei que a mocidade
É o Moisés no Sinai;
Das mãos do Eterno recebe
As tábuas da lei! — Marchai!
Quem cai na luta com glória,
Tomba nos braços da História,
No coração do Brasil!
Moços, do topo dos andes,
Pirâmides vastas, grandes,
Vos contemplam séc'los mil!
Antônio Frederico de Castro Alves
agosto de 1865
Quelle: escritas.org
Anmerkung: Castro Alves dichtet seinen leidenschaftlichen Aufruf zur Freiheit, Gerechtigkeit und gesellschaftlichem Wandel zusammen. Er beginnt mit einer dramatischen Gegenüberstellung von Finsternis und Licht, beschreibt eine Welt im Umbruch, in der das Volk leidet, aber auch Kraft und Hoffnung aus dem Chaos schöpft. Er ruft die Jugend seiner Zeit dazu, sich zu erheben, das alte System zu stürzen und eine neue Ordnung zu schaffen. Er fordert die Zerschlagung religiöser und monarchischer Symbole und will die Umwidmung der Güter als Verpflegung für das Volk.


Pernambuco, August 1865
Das Jahrhundert
Das Jahrhundert ist großartig... Im Weltraum
Es gibt ein Drama aus Finsternis und Licht.
Wie Christus – die Freiheit
Er blutet am Kreuzpfosten.
Ein dunkler, geschwärzter Rabe,
Bedeckt den blauen Umhang,
Von den Adlerflügeln des Himmels ...
Brust und Stirn heben sich...
Auf den Lippen der Horizonte
Da ist ein Lichtlachen... Es ist Gott.
Manchmal bricht es die Stille
wildes, heftiges Gebrüll.
Es wird das Brüllen der Wälder sein,
Oder die gewaltige Stimme des einfachen Volkes?...
Die steife und dunkle Erde bebt ...
Sie sind die Gefäße der Qual
Von der Freiheit vor Ort?...
Oder der kühne Arm des Volkes
Dass, unter zertrampelten Hügeln,
Sie wie ein Titan schüttelt?!...
Konfrontiert mit diesem finsteren Problem
Es gibt viel ironisches Gelächter.
Für uns der Wind der Hoffnung
Bringt den Pollen der Zukunft.
Und zwar Skepsis
Die die Augen in den Abgrund taucht,
Der zu ihren wütenden Füßen liegt,
Der Junge zerreißt die Nebel,
Um von den aufragenden Hügeln
Die dahinter durchbrechende Sonne zu sehen,
(...)
Licht!... ja; dass das Kind ein Vogel ist,
Wessen Zukunft hast du;
In der Sonne – es ist ein kühner Adler,
Im Schatten – eine wilde Eule.
Freie Tribünen, Presse...
Es sind schwache, kleinliche Glieder ...
Tritt nicht auf dem Königsvolk herum!
Möge dieses Meer von Seelen und Brüsten,
Mit der Vakanz ihrer Rechte,
Sie werden kommen, um sie diese brechen.
Zerbrich das Zepter des Papstes.
Mach daraus ein Kreuz!
Lila dient den Menschen
Um nackte Schultern zu bedecken.
Dass zu den Schreien von Niagara
– Keine Sklaven, – Guanabara
sich zum Glanz der Sonnen erhebt!
Lass die Bordelle im Licht baden,
Und aus den Splittern der Gerüste
Erhebt die Statue zu den Helden!
Genug!... Ich kenne diesen jungen Mann
Es ist Moses auf dem Sinai;
Aus den Händen des Ewigen empfängt er
Die Gesetzestafeln! - Marsch!
Wer fällt im Kampf mit Ruhm,
Fallen Sie in die Arme der Geschichte,
Im Herzen Brasiliens!
Junge Männer, von der Spitze der Anden,
Riesige, große Pyramiden,
Tausende von Jahrhunderten blicken auf Euch!
Antônio Frederico de Castro Alves
August 1865
Quelle: escritas.org
Anmerkung: Castro Alves dichtet seinen leidenschaftlichen Aufruf zur Freiheit, Gerechtigkeit und gesellschaftlichem Wandel zusammen. Er beginnt mit einer dramatischen Gegenüberstellung von Finsternis und Licht, beschreibt eine Welt im Umbruch, in der das Volk leidet, aber auch Kraft und Hoffnung aus dem Chaos schöpft. Er ruft die Jugend seiner Zeit dazu, sich zu erheben, das alte System zu stürzen und eine neue Ordnung zu schaffen. Er fordert die Zerschlagung religiöser und monarchischer Symbole und will die Umwidmung der Güter als Verpflegung für das Volk.


Berlin am Abend des 12. November 1848
Die Stadt liegt still, doch nicht in Ruh,
Ein Flüstern geht durch Straßenflur.
Die Fenster dunkel, Herzen schwer,
Die Freiheit ringt – doch keiner mehr.
Die Barrikaden sind gefallen,
Die Stimmen schweigen, einst so hell.
Nur Rauch und Staub in kalten Hallen,
Und Hoffnung stirbt im Abendquell.
Wo einst das Volk mit Mut sich hob,
Liegt nun der Traum in blut’gem Grab.
Die Freiheit, jung, doch nicht mehr froh,
Verblasst wie Licht im Nebelstab.
Doch in der Stille wächst ein Lied,
Ein Ruf, der durch die Zeiten zieht:
Nie wird das Recht im Dunkel sterben,
Nie wird das Volk sich ganz verderben.
Louise Franziska Aston
November 1848
Quelle: www.zeno.org
Anmerkung: Louise Aston schrieb das Gedicht im Kontext der Revolution von 1848. Diese Zeit war voller politischer Umbrüche und Kämpfe für Demokratie und Bürgerrechte. Es ist die Zeit der Deutschen Revolution. Die Märzrevolution war im Jahr 1848. Louise Aston war eine mutige Stimme gegen Militarismus und für soziale Gerechtigkeit.


1848
Die Republik!
Die Republik, die Republik!
Herr Gott, das war ein Schlagen!
Das war ein Sieg aus Einem Stück!
Das war ein Wurf! Die Republik!
Und Alles in drei Tagen!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!
Die Republik, die Republik!
Ankeuchten die Berichte:
Ein Athemzug, ein Wink, ein Blick,
Ein Handumdrehn – die Republik!
So dichtet die Geschichte!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!
Die Republik, die Republik!
Nun ist der Wall erstiegen!
Nun ist gerannt die Mauerlück’ –
Die Republik, die Republik! –
Und unsre Farben fliegen!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!
Die Republik, die Republik!
Noch stehn wir müßig unten!
Vom Wall doch ruft’s: Bleibt nicht zurück!
Nach durch den Riß – die Republik! –
Bei’m Aufblitz unsrer Lunten!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!
Die Republik, die Republik!
Ja doch, ihr Vorhut-Streiter –
Wir folgen euch! die Republik!
Schon dröhnt von unserm Fuß die Brück’,
Schon fassen wir die Leiter!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!
Die Republik, die Republik!
Wer redet von Entzweien?
Was Völkerhaß! Die Republik!
Als Freie, jochlos das Genick,
So treten wir zu Freien!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!
Von heute an – die Republik! –
Zwei Läger nur auf Erden:
Die Freien mit dem kühnen Blick,
Die Sklaven, um den Hals den Strick!
Sei’s! mag’s entschieden werden!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!
Sonst aber – hoch die Republik! –
Kein Kriegen mehr und Spalten!
Nur fester Bund zu Lieb’ und Glück!
Nur Bruderschaft – die Republik! –
Und menschlich schön Entfalten!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!
Die Republik, die Republik!
Wohlan denn, Rhein und Elbe!
Donau, wohlan – die Republik!
Die Stirnen hoch, hoch das Genick!
Eu’r Feldgeschrei dasselbe:
Die Republik, die Republik!
Vive la République!
Ferdinand Freiligrath
London, 26. Februar 1848.


Vermutlich geschrieben zwischen den Jahren 1777 und 1787
An den Frieden
Friedensgöttin, komm, ich flehe
Dir mit hochgehobner Hand,
Komm herab von deiner Himmelshöhe,
Dich bedarf mein armes Vaterland.
Sieh im Maienmonde wollen
Heere ziehen in das Feld.
Wie sie schon die Augen blutig rollen,
Zu verheeren eine ganze Welt.
Freude flieht vor Mavors Rufe,
Der sich schlachtendurstig naht;
Seiner kriegerischen Rosse Hufe
Stampfen, knicken unsre Frühlingssaat.
Blumen sterben, wo die Sohle
Eines erznen Kriegers geht;
Traurig liegt das Röschen, die Viole,
Jedes Blümchen auf zertretnem Beet.
O so komm, du Friede, nieder,
Sänftige der Krieger Sinn.
Tausend Deutsche, alle brav und bieder"
Grüßen dich, du Himmels-Königin.
Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791)
Quelle: Friedenskultur leben


1774
Kriegslied.
’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede du darein!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht Schuld daran zu seyn!
Was sollt’ ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen,
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?
Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb todt
Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten
In ihrer Todesnoth?
Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?
Wenn Hunger, böse Seuch’ und ihre Nöthen
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich’ herab?
Was hülf’ mir Kron’ und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht Schuld daran zu seyn.
Matthias Claudius
Wandsbeck 1774


1636
Tränen des Vaterlandes
Wir sind doch nunmehr ganz / ja mehr denn ganz verheeret.
Der frechen Völcker Schar / die rasende Posaun
Das vom Blutt fette Schwerdt / die donnernde Carthaun.
Hat aller Schweiß / und Fleiß / und Vorrath auff gezehret.
Die Türme stehn in Glutt / die Kirch ist umbgekehret.
Das Rahthaus ligt im Graus / die Starcken sind zerhaun.
Die Jungfraun sind geschänd’t / und wo wir hin nur schaun
Ist Feuer / Pest / und Tod / der Herz und Geist durchfähret.
Hier durch die Schanz und Stadt / rinnt allzeit frisches Blutt.
Dreymal sind schon sechs Jahr / als unser Ströme Flutt /
Von so viel Leichen schwer / sich langsam fortgedrungen.
Doch schweig ich noch von dem / was ärger als der Tod /,
Was grimmer denn die Pest / und Glut und Hungersnoth
Daß auch der Seelen Schatz / so vielen abgezwungen.
Andreas Gryphius
Quelle: germanhistory-intersections.org
Anmerkung: Andreas Gryphius dichtet aus Erfahrungen und Beobachtungen aus dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Er beschreibt kurz, bündig und bestimmt, wie die verheerenden Auswirkungen des Kriegs für die Bevölkerung waren. Sein persönliches Leiden wird bereits beim Titel sehr klar. Gryphius ist aber auch sehr explizit beim Thema großes Leiden der Bevölkerung durch das Kriegsgeschehen. Neben der schrecklichen Erwähnung der vielen Todesopfer und der Gewalttaten der Soldaten während des Krieges (die Massenvergewaltigungen!) geht der Dichter auch auf die Bedrohungen durch Hunger und Krankheiten in der Zeit nach den Zerstörungen durch den Krieg.


Mittelalter
S’i’ fosse foco
S’i’ fosse foco, arderei ’l mondo;
s’i’ fosse vento, lo tempestarei;
s’i’ fosse acqua, i’ l’annegherei;
s’i’ fosse Dio, manderei ’l en profondo.
s’i’ fosse papa, sare’ allor giocondo,
ché tutti cristïani imbrigherei;
s’i’ fosse ’mperator, sa’ che farei?
A tutti mozzarei lo capo a tondo.
S’i’ fosse morte, andarei da mio padre;
s’i’ fosse vita, fuggirei da lui:
similemente farìa da mi’ madre.
S’i’ fosse Cecco, com’i’ sono e fui,
torrei le donne giovani e leggiadre:
e vecchie e laide lasserei altrui.
Cecco Angiolieri (ca. 1260–1312)
Quelle: it.wikisource.org
Anmerkung: Cecco Angiolieri dichtet seine radikale Abrechnung mit der Welt zusammen. Er zeigt seinen Zorn, aber auch seine Ironie. Cecco zeigt seine Empörung über Ungerechtigkeit, Krieg und menschliche Torheit seiner Zeit. Auch wenn seine Zeilen nicht wirklich ein Friedensgedicht sind, wirken sie wie ein verzweifelter Ruf nach einer friedlicheren Welt.


Mittelalter
S’i’ fosse foco
Wenn ich Feuer wäre, würd’ ich die Welt verbrennen;
Wenn ich Wind wäre, würd’ ich sie stürmen
Wenn ich Wasser wäre, würd’ ich sie ertränken
Wenn ich Gott wäre, würd’ ich sie in die Tiefe befehlen.
Wenn ich Papst wäre, wäre ich dann glücklich,
weil ich alle Christen zügeln würde;
Wenn ich Kaiser wäre, wissen Sie, was ich tun würde?
Ich würde jedem den Kopf komplett abschlagen.
Wäre ich der Tod, würde ich zu meinem Vater gehen;
Wenn ich das Leben wäre, würde ich vor ihm fliehen:
Ähnlich würde ich mit meiner Mutter tun.
Wenn ich Cecco wäre, wie ich bin und war,
Ich würde die jungen und anmutigen Frauen rauben:
und alte und schmutzige Frauen würde ich anderen überlassen.
Cecco Angiolieri (ca. 1260–1312)
Quelle: it.wikisource.org
Anmerkung: Cecco Angiolieri dichtet seine radikale Abrechnung mit der Welt zusammen. Er zeigt seinen Zorn, aber auch seine Ironie. Cecco zeigt seine Empörung über Ungerechtigkeit, Krieg und menschliche Torheit seiner Zeit. Auch wenn seine Zeilen nicht wirklich ein Friedensgedicht sind, wirken sie wie ein verzweifelter Ruf nach einer friedlicheren Welt.



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